Interview zum Thema:
Messedesign
Messedesign ist mehr als Optik – es ist Emotion

Martina Lang im Interview mit Design-Experte Holger Kanzok​​​​​​​
(Interview gekürzt)​​​​​​​
Messen sind ein Feuerwerk der Eindrücke: laute Hallen, unzählige Stände, unendlich viele Reize. Wer hier nicht auffällt, geht unter – doch wie gelingt es, aus der Masse herauszustechen? Ein gutes Design allein reicht nicht, es geht um Erlebnisse, die im Gedächtnis bleiben. Wir haben mit einem Experten für Messedesign gesprochen, der weiß, wie Marken nicht nur sichtbar, sondern erlebbar werden.
Messen sind laut, voll und oft überfordernd. Wie schafft man es, aus der Masse herauszustechen?
Genau das ist die Herausforderung. Ein Messeauftritt ist wie eine Bühne: Wer sich nicht inszeniert, bleibt unsichtbar. Es reicht nicht, einfach einen hübschen Stand zu haben. Man muss Geschichten erzählen, Erlebnisse schaffen – etwas, das Besucher spüren können.​​​​​​​
Also geht es um mehr als nur Design?
Absolut! Design ist die Hülle, aber die Seele eines Messestands ist die Botschaft dahinter. Warum sollte jemand stehen bleiben? Warum sollte er sich erinnern? Ein guter Messestand spricht alle Sinne an – sei es durch Licht, Haptik oder Interaktion.​​​​​​​
Gibt es Trends, die aktuell besonders gut funktionieren?
Auf jeden Fall! Nachhaltigkeit ist riesig. Firmen setzen auf wiederverwendbare Module, natürliche Materialien und energieeffiziente Beleuchtung. Gleichzeitig sehen wir eine starke Hinwendung zu Digitalem: LED-Wände, Augmented Reality, interaktive Touchscreens. Aber Vorsicht: Technik um der Technik willen bringt nichts. Es geht darum, echten Mehrwert zu schaffen.​​​​​​​
Was ist Ihr wichtigster Tipp für Unternehmen, die auf Messen erfolgreich sein wollen?
Denkt nicht in Quadratmetern, denkt in Erlebnissen! Ein Messestand ist kein Möbelstück, sondern eine Einladung zum Dialog. Wer nur Flyer auslegt und darauf hofft, dass Besucher von selbst kommen, wird übersehen. Wer hingegen eine Atmosphäre schafft, die Menschen fesselt, gewinnt.​​​​​​​
Klingt, als wäre Messedesign fast eine eigene Kunstform.
Genau das ist es. Es ist Theater, Marketing, Architektur und Psychologie in einem. Und wenn alles zusammenpasst, dann passiert das Magische: Menschen bleiben stehen, schauen, erleben – und erinnern sich.
"Ein Messestand ist kein Relikt aus der analogen Welt – er ist die Bühne, auf der Marken spürbar werden. Digitale Kanäle können informieren, aber nur das persönliche Erlebnis schafft echtes Vertrauen."

Holger Kanzok
Designer
In einer Zeit, in der fast alles digital läuft – braucht es überhaupt noch Messestände?
Unbedingt! Klar, digitale Kanäle sind wichtig, aber sie ersetzen nicht das persönliche Erlebnis. Ein Messestand ist viel mehr als eine schicke Kulisse – er ist ein Ort, an dem Menschen Marken hautnah erleben können.
Aber können Unternehmen ihre Kunden nicht auch online erreichen?
Natürlich, und das tun sie ja auch. Aber mal ehrlich: Wann hat dich zuletzt eine Website emotional wirklich berührt? Menschen kaufen nicht nur Produkte, sie kaufen Vertrauen, erst recht im B2B. Und das entsteht durch persönliche Begegnungen. Auf einer Messe kann ich ein Produkt anfassen, ausprobieren und direkt Fragen stellen – das schafft kein Online-Shop in dieser Intensität.
Kunde: Gerhard Schubert GmbH, Agentur: Ruess Group GmbH, Stuttgart
Also geht es um das haptische Erlebnis?
Ja, aber nicht nur. Es geht um Atmosphäre, Emotionen, echte Interaktion. Ein guter Messestand ist wie eine Bühne, auf der eine Marke lebendig wird. Besucher sollen sich erinnern – nicht nur an das Produkt, sondern an das Gefühl, das sie dort hatten.
Trotzdem entwickeln sich digitale Events rasant weiter. Sind physische Messen nicht ein Auslaufmodell?
Ganz im Gegenteil! Die Zukunft liegt in hybriden Konzepten. Unternehmen verbinden ihren Messeauftritt mit digitalen Erlebnissen: interaktive Apps, Live-Streams, AR-Elemente. So erreicht man sowohl die Besucher vor Ort als auch ein weltweites Publikum. Aber die Basis bleibt – der persönliche Kontakt.
Können Sie ein Beispiel nennen, wo das gut funktioniert hat?
Ja, ein Unternehmen hat auf einer Messe einen interaktiven Showroom gebaut, in dem Besucher live Maschinen testen konnten – begleitet von einer App, die alle technischen Details in AR angezeigt hat. Gleichzeitig wurde das Event gestreamt, sodass auch Kunden, die nicht vor Ort waren, das Erlebnis mitverfolgen konnten. Perfekte Verbindung aus physisch und digital!
Also sind Messen und Messestände auch in Zukunft unverzichtbar?
Absolut. Sie entwickeln sich weiter, werden interaktiver, nachhaltiger und digitaler. Aber sie bleiben essenziell, weil Menschen echte Erlebnisse brauchen. Wer klug kombiniert, wird auch in der digitalen Welt auf Messen erfolgreich sein.
Vielen Dank für diese spannenden Einblicke!

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