Interview zum Thema:
Minimalismus im Design
Weniger ist mehr – aber warum eigentlich?

Martina Lang im Interview mit Design-Experte Holger Kanzok
(Interview gekürzt)​​​​​​​
Herr Kanzok, Minimalismus im Design – klingt simpel, aber ist es das auch?
Genau das ist der Punkt! Es sieht einfach aus, aber es steckt viel Überlegung dahinter. Minimalistisches Design bedeutet nicht, einfach alles Überflüssige wegzulassen. Es geht darum, das Wesentliche so in Szene zu setzen, dass es seine volle Wirkung entfaltet. Jede Linie, jede Farbfläche und jede Schriftwahl hat eine bewusste Funktion.
Aber leben wir nicht in einer Zeit, in der es immer um ‚mehr‘ geht? Mehr Features, mehr Inhalte, mehr Auswahl?
Absolut. Und genau deswegen sehnen sich viele nach Klarheit. Unser Gehirn ist tagtäglich mit Informationen überladen. Ein minimalistisches Design schafft eine Art Ruhepol – es gibt dem Auge und dem Verstand Raum zum Atmen. Schau dir Apple oder Bauhaus an: Wenige Elemente, aber jedes einzelne sitzt perfekt. Diese Klarheit wirkt nicht nur edel, sondern auch vertrauenswürdig.
"Gutes Design ist, wenn nichts mehr wegzunehmen ist – und es dennoch vollkommen bleibt."

Holger Kanzok
Designer
Gibt es eine Art ‚Geheimformel‘ für minimalistisches Design?
Wenn es so einfach wäre! Aber es gibt Grundprinzipien. Erstens: Reduktion auf das Wesentliche. Zweitens: Harmonische Proportionen. Drittens: Bewusster Einsatz von Weißraum. Und natürlich kommt es darauf an, die Balance zu halten – zu wenig kann auch kalt oder unpersönlich wirken. Die Kunst ist, genau das richtige Maß zu finden.
Haben Sie ein Beispiel, das zeigt, wie gutes minimalistisches Design wirkt?
Nehmen wir ein Buchcover: Ein chaotisches Cover mit grellen Farben und zig Elementen schreit förmlich: ‚Achtung, lies mich!‘ – aber unser Gehirn überfordert das eher. Ein minimalistisches Cover mit einem einzigen starken visuellen Element hingegen zieht an, weil es sich abhebt. Es ist wie in einem Raum voller Stimmen – wer flüstert, wird oft am besten gehört.​
Was raten Sie jemandem, der minimalistischer gestalten möchte?
Stell dir bei jedem Element die Frage: ‚Braucht es das wirklich?‘ Und wenn du zögerst, dann raus damit. Außerdem: Hab keine Angst vor Leerraum! Viele denken, sie müssten eine Fläche ‚füllen‘, aber Weißraum ist kein verschwendeter Platz – er gibt den wichtigen Dingen Raum, um zu wirken.​​​​
Abschließend: Warum lohnt es sich, Minimalismus im Design auszuprobieren?
Weil es Klarheit schafft. Weil es eleganter wirkt. Und weil es langfristig nachhaltiger ist – weniger Schnickschnack, weniger Ablenkung, mehr Wirkung. Ein gutes Design bleibt im Kopf, ohne laut sein zu müssen. Probier’s aus – dein Publikum wird es dir danken!

Weitere Projekte

Back to Top